Videoblogs – Intermediale Reflexionsräume

Während andere Blogger sich mit Stöckchen befassen, möchte ich mich heute dem Thema Videoblog zuwenden. Ich mag Videospiele, Filme und das Internet sehr gern. Daher schaue ich ab und zu auf diverse Videoblogger-Seiten. Diese sind nicht nur amüsant, sondern auch medienbildungstheoretisch sehr interessant.

 

Ich möchte zunächst klären, was ich unter Videoblogs verstehe. Diese sind in erster Linie multimediale Blogs. Das heißt, dass sie Videopodcasts, klassische Blogs und auch Foren enthalten können. Man hat es also nicht mehr mit einem klassischen Blog zu tun, sondern mit einer ganzen Palette von Web-Artikulation. Videoblogger haben gemeinsam, dass sie ihren Videoblog auf meist ein Thema beschränken, welches die Blogger zum einen teilweise auf ihre Jugend und Kindheit beziehen und zum anderen aus heutiger Sicht bewerten. Kurz: sie machen Reviews.

 

In diesem Blog-Beitrag möchte ich mich deswegen explizit mit einem Videoblogger auseinandersetzen, welcher exemplarisch für ein immer mehr aufkommendes Webphänomen, dem Videobloggen, steht. Dieser Videoblogger nennt sich „Angry Video Game Nerd“ (im Folgenden AVGN genannt) und heißt im normalen Leben James Rolfe.

 

Er widmet sich, wie der Name vermuten lässt, Videospielen, welche zum einen alt und zum anderen unspielbar sind. So heißt es schon im Titelsong seiner Reviews: „he’s gonna take you back to the past“ und „he plays the shittiest games you ever heard“. In seinen Reviews geht er meist am Anfang auf Hintergründe zu den Spielen ein. So geht er zum Beispiel zuerst auf Filme oder Erinnerungen ein, welche dem Spiel zu Grunde liegen bzw. anhaften. Daher schafft er einen Bezug zu seiner Biographie.

 

Im nächsten Schritt schaut er sich das Spiel an und kritisiert die oft groben Mängel mit Kraftausdrücken. Er schafft also eine Distanz zu seiner Biographie und dem Medium Videospiel an sich, indem er zum einen Spiele ironisch oder sarkastisch kommentiert und zum anderen, dies sollte erwähnt werden, in die Rolle des AVGN schlüpft.

 

In einem dritten Schritt wird zu diesen Elementen häufig eine Narration aufgebaut. So erscheinen dem AVGN Charaktere aus Videospielen, welche ihn zwingen die schlechtesten Spiele zu spielen. Durch diese Verschmelzung von non-diegetischer und diegetischer Narration wird ein intermedialer Raum erschaffen. Und gerade durch diese Intermedialität sind Videoblogs sehr interessant für die Medienbildung.

 

 

  • Zum einen reflektiert der AVGN die Spiele welche er spielt. Dies erfolgt vor allem durch den bereits genannten Biographiebezug und durch den Abstand zum Spiel durch hinzugefügte Narrationen im Review. Sprich: es ist ein ständiges auseinandersetzen mit sich und der Welt und letztlich Bildungsprozesse, die dort zu sehen sind.

 

  • Zum anderen haben Videoblogger wie der AVGN meist eine Fancommunity, welche aktiv partizipieren können. So hat die Community des AVGN zum Beispiel ein richtig schlechtes Spiel herausgesucht und zum Review vorgeschlagen (was der AVNG dann auch gemacht hat) oder ein Spiel selbst kommentiert. Von diesen Kommentaren wurden einige mit in ein Review eingebaut. Es findet also eine kolloborative Vergemeinschaftung statt, welche in Bezug auf die Wissensdimension der Strukturalen Medienbildung interessant ist.

 

 

Dieser Blogeintrag stellt lediglich eine kleine Einführung in ein medienbildungstheoretisch interessantes Forschungsfeld dar. Ich denke das dieses Webphänomen durchaus dienen kann, um das Filminterpretationsmodell nach Bordwell und Thompson mit der Online-Ethnographie zu kombinieren, wenn nicht sogar zu verschmelzen.

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