Tiger im Tank? Mac OS 10.4 im Retro-Test.

Mein MacBook besitze ich eine gefühlte technische Ewigkeit. Damals hatte es unglaubliche 60 GB Festplattenspeicher und noch unglaublichere 512 MB Arbeitsspeicher.  Zu einem Preis, bei dem man heute schon MacBook Pro-Modelle bekommt. Doch erstaunlicherweise habe ich in den 5 Jahren das Altern meines MacBooks erst gespürt, als Lion heraus kam. Nicht alles lief flüssig trotz Festplatten und RAM-Upgrade (Stichwort graphische Effekte und GMA950). Aber immerhin machte das MacBook drei Upgrades von OSX mit. Im Zuge meiner Arbeit mit OSX entwickelte sich auch zugleich die Software weiter, so dass sich mir die Frage stellt: was kann ich mit der ursprünglichen OSX Version (10.4 aka Tiger) auf meinem MacBook heute noch machen?

Zunächst gibt es etliche Features, die allein mit dem OS-Rückschritt einhergehen. Kein Time-Machine-Backup, kein automatisches Speichern mit Versionen, keine iCloud-Funktionen. Natürlich fehlen noch etliche mehr, jedoch sind diese Features jene, die ich ganz gerne für die Arbeit nutze. Jedoch kann man diese Funktionen teilweise kompensieren. So gibt es mit CarbonCopyCloner eine gute Backup-Lösung und mit Dropbox (sogar in der aktuellsten Version) eine Cloud-Alternative.

 

Browser – auf dem Abstellgleis

Doch noch interessanter ist die Frage nach der Software. Fangen wir also beim wichtigsten Programm an: dem Browser. Leider wird unter Tiger kein aktueller Browser mehr unterstützt. Dazu müsste man den Nachfolger Leopard besitzen. So kann man Safari 4 oder Firefox 3.6 installieren, welche teilweise deutlich langsamer sein können, als deren Nachfolger. Jedoch ist insbesondere Safari noch erstaunlich flink unterwegs, während Firefox bei einigen Seiten stark in die Knie geht. Neben den Browsern sind auch die Plugins eine wichtige Komponente. Auch hier spürt man schnell das digitale Alter von Tiger. Flash gibt es nur in der Version 10.3 und das Google-Hangout-Plugin wird erst ab Version 10.5 untersützt. Zusammenfassend ist also zu sagen, dass das wichtigste Programm auf einem modernen Rechner, unter Tiger keine Zukunft mehr hat und für mich den besten Grund bilden würden, um wenigstens auf 10.5 umzusteigen.

 

Office – zeitlos modern

Bei der Frage nach Office-Lösungen, ergeben sich unter OSX mehrere Möglichkeiten. Ich fange am besten bei den freien Lösungen an. Und hier ist es erstaunlich, dass man Libreoffice in der neusten Version immer noch installieren kann. Sogar PPC-Nutzer können diese Version noch benutzen. Ähnlich gut sieht es bei Apples eigener Office-Lösung iWork aus. Auch hier wird die aktuelle Version 09 unterstützt. Auf Features wie das automatische Speichern oder das Speichern in iCloud muss man jedoch betriebssystembedingt verzichten. Dennoch kann man selbst unter PPC-Macs noch sehr gut mit dieser Software arbeiten.

 

Multimedia – kann man machen

In Sachen Multimedia muss sich Tiger keineswegs verstecken. Zum einen gibt es bis iLife 09 Unterstützung. So kann man Musik, Videos, DVDs, Bilder und Websites selbst gestalten. Der VLC-Mediaplayer wird dagegen nur bis Version 0.9 unterstützt, was allerdings für alle gängigen Formate ausreicht. Ein wenig überrascht war ich, als ich sah, dass man auch Spotify installieren kann. Dazu muss man sich jedoch eine nicht mehr ganz taufrische Version mit Tiger-Support aus dem Netz suchen. Der Vorteil an dieser Version ist meines Erachtens, dass sie wesentlich schlanker und schlichter ist, was ich sehr gut finde. Wer die aktuelle Client-Version haben möchte, der muss auf 10.5 oder höher umsteigen.

 

Wissenschaft – alte Lizenzen willkommen

Wenn es um das wissenschaftliche Arbeiten geht, so bekommt man unter Tiger durchaus gute Software. Scrivener, ein Programm für Genies des Chaos, die gerne Texte, PDFs, Bilder usw. gerne zusammenhalten wollen, läuft auch unter Tiger problemlos. Dagegen läuft das Datenbankprogramm Bento in Version 4 nicht mehr unter Tiger, so dass man auf ältere Versionen zurückgreifen muss. Ähnlich sieht es bei Papers aus. Version 2 bietet gerade in der Zitation sehr viele gute Features. Jedoch läuft nur Version 1.98 unter Tiger. Automatische Referenzierung wird damit erheblich aufwändiger (z.B. über bibtex). Als Alternative sei hier Zotero (kostenfrei) mit dem dazugehörigen OpenOffice-Plugin empfohlen.

 

Fazit – Der Tiger ist ergraut, aber noch nicht tot

Lohnt es sich heute noch Tiger zu nutzen? Bei dieser Frage tendiere ich immer mehr zu einem nein. Sicher kann man mit Tiger noch einfache Arbeiten wie das Schreiben von Texten und Multimedia-Produktion erledigen. Jedoch gibt es faktisch kaum noch Programme, welche in ihrer aktuellsten Version noch Tiger berücksichtigen, was insbesondere im wissenschaftlichen Bereich ärgerlich ist. Somit ist man auf alte Lizenzen angewiesen, die (wenn man sie nicht vor ein paar Jahren erworben hat) schwer oder gar nicht aufzutreiben sind. Doch insbesondere das Fehlen von aktuellen Browsern und damit verbundene Funktionen und Plugins lässt Tiger ganz schön alt aussehen. In diesem Sinne ist man mit Version 10.5, dass inzwischen auch ein wenig angestaubt ist, auf der sicheren Seite. Auch wenn man einen PPC-Mac nutzt.

The good:

  • sehr ressourcenschonend
  • breites Softwareangebot
  • Office, Mail und Multimedia sind brauchbar

The bad

  • meist nur ältere Softwareversionen
  • meist kein Support bei Neuerscheinungen
  • viele Komfortfeatures (Backup, Cloud) fehlen

The ugly

  • aktuelle Browser gibt es schon lange mehr

 

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