Professionalität und Drittmittel an Universitäten – ein Gegensatz? (UPDATE)

Wie heise.de berichtet gibt es Ärger um den Sammelband „Computerspiele(r) verstehen“. So soll ein Professor der FH Köln, welche vor allem im Bereich Computerspiele bekannt ist, Texte aus dem Netz ohne konkrete Hinweise im Text kopiert haben.

Heise.de schrieb im Artikel dazu:

„Gegenüber Spiegel räumte Kaminski [Professor an der FH Köln, CK] nun allerdings ein, er habe verschiedene Texte aus Internet-Artikeln übernommen und nicht sorgfältig genug darauf geachtet, dass dies dem Leser immer deutlich werde.“

Das klingt reichlich unprofessionell. Am Ende des Artikels wird dann noch auf Vorwürfe gegenüber der FH eingegangen, da diese Drittmittel aus der Spieleindustrie bezieht und deswegen „verdächtigt“ wird, dass sie Lobbyarbeit betreibe. Sicherlich ist diese Meldung keine gute PR für die Reputation der FH Köln. Jedoch wirft sie für die Frage auf ob Professionalität und Drittmittel denn einen Gegensatz bilden.

Meiner Meinung nach ist der Artikel diesbezüglich voreingenommen. Denn er vermischt zwei Themen: zum einen den Fakt, dass ein Professor einen Fehler gemacht hat und zum anderen, dass die Hochschule, an welcher dieser Professor lehrt, im Verdacht steht sich durch Drittmittel bestechen zu lassen. Ich denke ein Professor, welcher solche groben Fehler begeht (ich gehe davon aus, dass Professoren wissen wie man professionell wissenschaftlich arbeitet (an sich sollte das schon mit der Promotion sichergestellt sein)), sollte dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Jedoch verstehe ich nicht diese negative Intention gegen Drittmittel im Artikel.

Drittmittel sind eine gute Sache. Sie machen das Forschen erheblich einfacher (Stichwort: hochwertige Ausstattung, Personal und Planungssicherheit) und tragen zu einer Zeitersparnis bei Forschungsprojekten bei. Aus der Sicht der Otto-von-Guericke-Universität wären Drittmittel an Fakultäten wie der FGSE wohl die Lösung von so manchen Problem. Jedoch sind Bereiche, welche eben keinen direkten praktischen Bezug haben eher im Hintertreffen. Jedoch könnten Studiengänge wie die Medienbildung einiges dafür tun, dass Drittmittel akquiriert werden könnten um die Professionalität bzw. das professionelle Arbeiten zu erleichtern.

Doch wird durch Drittmittel Professionalität verhindert? Ich denke: nein. Der Wissenschaftler steht in der Pflicht gewissenhaft und eben wissenschaftlich im universitären oder Forschungsrahmen zu arbeiten. Von daher sollte ein Wissenschaftler eine Beeinflussung seiner Arbeit im negativen Sinne ablehnen, selbst wenn dies Zeit kosten würde.

Zusammenfassend ist also zu sagen, dass die FH Köln unter schlechter PR leidet (aber hey, schlechte PR ist auch PR), jedoch in Sachen Medien sehr oft in den Medien als Interviewpartner auftritt (meist wenn es um „Pro-Medien/Computerspiele“ geht). Woher kommt dieser Widerspruch? Ist es die sehr gute Ausstattung und das Schaffen neuer Forschungsschwerpunkte? Jedenfalls hat diese FH wesentlich mehr Medienwirkung, als die Medienbildung an der Uni Magdeburg. Und ein großer Teil dieser resultiert aus den Drittmittel, welche die Reputation von Lehre und Studium auf gute 37,1% bringen (Magdeburg hat in der Medienbildung ledigich 3,1%). Das sagt zwar nichts über die Qualität der Forschung aus, jedoch ist es der Gewinnung von neuen qualifizierten Studierenden dienlich.

Letztlich ist alles eine Art Spirale die sich daraus bildet: diejenigen, welche PR haben, werden leichter Drittmittel und Interessenten bekommen, während jene welche keine oder kaum PR haben keine oder wenig Drittmittel und Interessenten bekommen.

UPDATE: Ein Interview mit Prof. Jürgen Fritz finden Sie auf Spiegel-Online. Ich denke das macht die Sache etwas runder. Dennoch halte ich das gefragte und gesagte für kritikwürdig. Beispiel?

SPIEGEL ONLINE: Aber sehr viele Kinder schaffen das nicht. Sie rutschen ab in die Einsamkeit der künstlichen Welt.“

„Fritz: Das ist mir zu pauschal. Wer ein dünnes Beziehungsnetz hat, findet möglicherweise gerade bei Online-Spielen wie „World of Warcraft“ oder WLAN-Parties Mitstreiter, eine Gemeinschaft, die er woanders nicht erlebt. Da gibt es wie immer solche und andere Fälle. „

Mir scheint es fast so, als würde Fritz nun gegenüber der Presse klein beigeben bzw. versucht zu beschwichtigen. Es gibt Studien die beweisen, dass nur einen sehr kleine Zahl von Spielern in die Spielescuht rutschen. Schuld daran sind, wie Fritz richtig bemerkt vor allem auch äußere Faktoren und nicht das Spiel an sich.

Zusätzlich findet dort der Leser heraus, dass die Kritik am Heft vor allem von Herrn Prof. Pfeiffer kommt, welcher das KFN leitet, welches u.a. von der Thyssen- und Volkswagen-Stiftung Drittmittel erhält. Doch das nur so am Rande.

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