6 kleine Filmreviews. Oder was man sonst so über die freien Tage machen kann.

Pfingstzeit ist Filmzeit. Deswegen schaute ich mir einige Filme an und beschloss diese mal zu bewerten. Jedoch ist das Wertungssystem zum einen nicht komplex, und zum anderen auf für mich drei interessante Bereiche beschränkt: Hintergrund, filmische Umsetzung und Tiefgang. Der Hintergrund soll Auskunft darüber geben welches Thema denn impliziter Inhalt des Filmes ist und wie interessant dieses für Forschungszwecke sein kann. Dazu habe ich ab und zu ein paar Thesen formuliert und manchmal den Handlungsrahmen skizziert. Die filmische Umsetzung soll über die handwerkliche Qualität des Films Auskunft geben. Der Tiefgang soll im Gegensatz zum Hintergrund die explizite Tiefe des Films wiederspiegeln. Wie wird also filmisch offensichtlich und tiefergehend thematisiert. Ich hoffe weitere Filme werden folgen und das Lesen der Reviews macht auf Fragestellungen wie auch die Filme neugierig.

Robocop:

  • Hintergrund: Alex Murphy, Polizist in einen dystopischen Detroit, wird zusammengeschossen. Der allmächtige Konzern OCP nimmt dies zum Anlass die Überreste des Polizisten in eine Maschine einzupflanzen, da erste Versuche mit reinen Maschinen zu viele Fehler aufwiesen. Somit entsteht ein Cyborg, dessen Wesen sich zwischen Maschine und Mensch befindet. Die zentrale Frage ist also: hat der Mensch Kontrolle über die Technik oder die Technik Kontrolle über den Menschen. Von daher ist der Film vom Hintergrund her äußerst spannend und diskutabel. 4/5
  • Filmische Umsetzung: Die filmische Umsetzung ist für die Zeit in der der Film entstand zwar nicht perfekt, weiß aber den Sehenden zu überzeugen. 3/5
  • Tiefgang: Leider glänzt der Film nicht mit offensichtlichen Tiefgängen. Vielmehr wird wert auf Action gelegt. 1/5

Gesamt: 8/15
Robocop 2:

  • Hintergrund: OCP möchte einen Nachfolger für Robocop, welcher mit besseren Eigenschaften glänzen soll. Jedoch scheitern die Versuche mit anderen Polizisten, da diese (so erklärt es der Film) durch den Verlust des menschlichen Körpers durchdrehen und Suizid begehen. Filmisch wird dies mit menschenfremden Cyborgs unterstrichen. Letztlich setzt OCP das Hirn eines drogensüchtigen Psychopathen in eine Maschine ein. Dies wird audiovisuell interessant umgesetzt: das Nervensystem des Pychopathen (inkl. Augen) sieht wie die alte menschliche Hülle entsorgt wird. Schließlich kommt es zu einem Verlust von Menschlichkeit. Interessant ist jedoch, dass die Drogensucht bleibt. Auf der anderen Seite wird Robocop „umprogrammiert“. Hier zeigt sich wieder der Konflikt zwischen Mensch und Maschine. Aus dieser Sichtweise ist der zweite Teil eine sinnvolle Ergänzung bzw. Ausarbeitung des ersten Teils zum Thema Mensch-Maschine. (Nebenbei ist das Thema „Gesellschaft“ auch sehr interessant in diesem Film zu sehen). 4/5
  • Filmische Umsetzung: Die filmische Umsetzung ist nahe der Untergrenze. Jedoch sind die Trickeffekte ganz okay. Deswegen 2 Punkte. 2/5
  • Tiefgang: Wie Teil 1 liegt der Schwerpunkt auf Action. Tiefgang ist also nicht drinnen. 1/5

Gesamt: 7/15
Himmel über der Wüste:

  • Hintergrund: In diesem Film sind vor allem soziale Aspekte im Zentrum. Deswegen ist dieser Film auch gut geeignet, um sich dazu einige Fragestellungen auszudenken. Zum einen hat der Film Szenen in welchen Entscheidungen eine wichtige Rolle spielen. So beginnt der Film mit einer Art Dreiecksbeziehung zwischen einem Mann und einem Ehepaar in einer nordafrikanischen Hafenstadt. Jedoch trennt sich das Ehepaar von diesem Mann, indem sie verschiedene Wege nehmen. Schließlich erkrankt der Ehemann an einer Krankheit während der Reise hin zur Sahara und verstirbt letztlich. Somit ist die Frau letztlich auf sich allein gestellt und endet in der Wüste. Offensichtlich wird mit der Abnahme der Besiedlungsdichte die Handlung auf die Ehefrau reduziert und sie in den Mittelpunkt gestellt. Die Ehefrau schließt sich anschließend einer Karawane an und lebt quasi ein anderes Leben, welches sie letztlich an den Ausgangsort der Geschichte, die Hafenstadt bringt. Interessant wäre z.B. diese These: Ein Mensch welcher aus seinem bisherigen Leben isoliert wird und nichts mehr zu verlieren hat, ist nicht zum scheitern verurteilt, sondern vielmehr motiviert einen neuen Lebensentwurf zu schaffen. 3/5
  • Filmische Umsetzung: Da gibt es nichts zu meckern: solides Filmhandwerk mit guten bis sehr guten Einstellungen. 4/5
  • Tiefgang: Hier gibt es viel, teils auch tiefgründige soziale Interaktion. Ein Film zum Nachdenken. Dafür gibt es 3 Punkte. 3/5

Gesamt: 10/15
Wilbur:

  • Hintergrund: Dieser Film bietet viel Fragepotential: Wie hängt Wilburs Drang sich zu töten mit dem Tod der Mutter zusammen? Wieso ist dessen Bruder, welcher sein Krebsleiden nicht wahrhaben möchte, nicht bereit sich behandeln zu lassen, sondern versucht sein Leben optimistisch zu leben? Wie kann man zwischen wahrer Liebe und Verliebtheit unterscheiden? Ich glaube zu diesem Film kann man viele Thesen (insb. psychoanalytischer und soziologischer Natur) aufstellen. Deswegen gibt es für den Hintergrund 4 von 5 Punkten. 4/5
  • Filmische Umsetzung: Solides Filmhandwerk ohne nennenswerte Schwächen. 4/5
  • Tiefgang: Suizidgefahr, Krebs, Dreiecksbeziehungen und Verlust. Der Film bietet viel Tiefgang und zudem einen auflockernden, aber nicht zu flapsigen Humor. 4/5

Gesamt: 12/15
Der ewige Gärtner:

  • Hintergrund: In diesem Film geht es grob gesagt darum, wie weit Konzerne gehen können unter dem Schutz von Regierungen. Letztlich geht es in diesem Film immer um moralische Grundsätze. Die Frage die mich vor allem interessierte war, wie der Titel des Filmes auf die Handlung bezogen werden kann. Der Held des Filmes, Justin, ist Diplomat und kümmert sich um seine Pflanzen recht fürsorglich. Seine Frau, eine politische Aktivistin, wird zu Beginn des Filmes tot aufgefunden, da sie einem düsteren Geheimnis auf die Schliche kam. Der Held ist nun auf der Suche nach dieser Wahrheit und klärt unter Verlust seines Lebens den Skandal auf. Deswegen eine These zum Titel bezogen auf die Handlung: der „ewige Gärtner“ will ein guter Diplomat sein und tut im Gegensatz zu seiner Frau eher gutes für seine Pflanzen als für notleidende Menschen. Mit dem Tod seiner Frau ändert sich dieses Verhältnis und das Wohl der Menschen rückt in den Vordergrund. Ich denke zu diesem Film kann man durchaus noch komplexere Thesen verfassen. Jedoch möchte ich hier nicht zu sehr „primen“ und verzichte auf weitere Thesen. Der Film hat also einiges an Potential. Deswegen 4 von 5 Punkten. 4/5
  • Filmische Umsetzung: Sehr schöne Aufnahmen und atmosphärisch sehr gut eingefangen. Jede Szene überzeugt. Deswegen volle Punktzahl. 5/5
  • Tiefgang: Viele moralische Fragen und differenzierte Charaktere verleihen dem Film eine inhaltliche Tiefe. Dafür 3 von 5 Punkten. 3/5

Gesamt: 12/15
Das Mercury Puzzle:

  • Hintergrund: Leider ist es schwierig bei Hollywood-Filmen interessante Lesarten oder Ähnliches zu finden. Jedoch ist eine Frage wohl zentral im Film: wie weit kann ein Staat gehen, wenn es um sicherheitskritische Punkte geht. Filmisch bedeutet dies: ein autistisches Kind knackt einen militärischen Code und wird deswegen von der NSA verfolgt. Dabei sterben die Eltern des Kindes sowie einige „Mitwisser“ um diesen Code zu schützen. Das Ende des Filmes brauche ich wohl nicht ausführen. It‘s Hollywood. 2/5
  • Filmische Umsetzung: Solide Hollywood-Kost. Jedoch wenig innovativ. Deswegen solide 4 von 5 Punkten. 4/5
  • Tiefgang: Willkommen in Hollywood: hier hat jeder Autist eine Inselbegabung und jeder Polizei/FBI-Held einen traumatischen Einsatz, an welchen er sich gerne zurück erinnert. Soweit so gut. Aber wie nun dieses Trauma mit der im Film verbundenen Situation zusammenhängt wird einfach nicht schlüssig oder ansatzweise logisch herausgearbeitet. Deswegen ein logischer Punkt für diesen Film. 1/5

Gesamt: 7/15

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